Wir standen an einem einfachen Picknickplatz. Hügelig, bergig, eigentlich nicht besonders schön gelegen. Eine Straße hoch, eine Straße runter – mehr gab es dort nicht. Für eine Nacht war es in Ordnung, aber kein Ort, an dem man bleiben wollte.
Unser Plan war klar: weiter zu einer heißen Quelle.
Nach all den turbulenten Tagen, den Reparaturen am Fahrzeug, der inneren Unruhe, wollten wir einfach nur ankommen. Warmes Wasser. Ruhe. Durchatmen.

Doch dann war plötzlich das Handynetz weg.
Kein Internet. Keine Karte. Keine Navigation. Nichts.
Mit unserem großen Gespann – Wohnmobil und Wohnwagen – wollten wir auf keinen Fall anfangen, „ins Blaue“ irgendwelche kleinen Straßen zu fahren und riskieren, irgendwo festzustecken oder uns zu verfahren. Also entschieden wir uns, erstmal Richtung Murcia zu fahren, in der Hoffnung, dort wieder Empfang zu bekommen, um den Weg zur Quelle sicher planen zu können.
Eine Entscheidung aus reiner Vernunft. Aus Sicherheitsdenken. Aus Technikabhängigkeit.
Und genau diese Entscheidung hat vermutlich verhindert, dass wir irgendwo im Nirgendwo liegen geblieben wären.
In Murcia angekommen, suchten wir ewig nach Netz. Fuhren hin und her. Tankten noch schnell. Und dann passierte es.
Ein Schlauch im Motorraum platzte. Das gesamte Kühlwasser lief in Sekunden aus.
Zum Glück konnten wir provisorisch flicken und ein kleines Stück weiterfahren. Ich blieb einfach an der nächsten Straße stehen, mit dem Gedanken: *Hier muss doch irgendwo eine Werkstatt sein.*
Und genau gegenüber war eine.
Auf der anderen Straßenseite.
Super nette Männer. Soforthilfe. Keine Diskussion. Keine Wartezeit. Einfach Hilfe.
Später stellte sich heraus: Die eigentliche Ursache sitzt direkt am Motor. Ein Bauteil, an dem wohl über längere Zeit Diesel oder Flüssigkeit ausgetreten ist, wodurch der Schlauch porös wurde und schließlich riss. Ein schleichender Defekt, der sich genau in diesem Moment zeigte.
Nicht auf einer Bergstraße.
Nicht ohne Empfang.
Nicht kilometerweit entfernt von jeder Hilfe.
Sondern direkt vor einer Werkstatt.
Rückblickend wurde mir beim Spazierengehen plötzlich klar, was hier eigentlich passiert war:
Wir sind nicht wegen der Panne nach Murcia gefahren.
Wir sind wegen des fehlenden Internets nach Murcia gefahren.
Etwas, das uns erst genervt hat, war genau das, was uns an den Ort geführt hat, an dem wir Hilfe bekommen konnten.
Und da wurde mir bewusst, wie sehr wir uns auf Technik verlassen. Wie selbstverständlich Navigation, Karten, Empfang geworden sind. Und wie wichtig es trotzdem ist, Papierkarten dabeizuhaben. Sich nicht vollständig abhängig zu machen.
Aber noch viel stärker war dieses Gefühl:
Es lief nicht schief.
Es lief genau richtig.
Diese Kette aus Ereignissen – Picknickplatz, kein Netz, Richtungswechsel, Tankstopp, Schlauchplatzer, Werkstatt direkt gegenüber – fühlt sich im Nachhinein nicht zufällig an. Sondern wie eine Führung, die erst rückwärts Sinn ergibt.
Wir wollten zur heißen Quelle, um uns etwas Gutes zu tun.
Stattdessen landeten wir zuerst in der „Reparaturstation“.
Manchmal kommt eben erst die Reparatur, dann die Quelle.

Jetzt stehen wir auf einem riesigen, vollen Stellplatz in Murcia. Kein Ort der Ruhe. Kein Ort zum Bleiben. Nur ein Zwischenraum. Ein Wartebereich, bis alles wieder sicher ist und wir weiterziehen können.
Und ich merke: Auch das gehört dazu.
Nicht jeder Ort ist ein Ziel.
Manche Orte sind nur dafür da, dass etwas wieder in Ordnung gebracht wird.
Wo uns der nächste Schritt hinführt, wissen wir noch nicht genau.
Wir sind von Playa del Arroz über Lorca und Mula hier gelandet – eigentlich nur, um Netz zu finden.
Und stattdessen haben wir etwas anderes gefunden:
Die Gewissheit, dass selbst Umwege manchmal genau der richtige Weg sind.
In Liebe
Eure Sabsi

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