Warum wir unterwegs sind?

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Manchmal werden wir gefragt, warum wir eigentlich unterwegs sind.

Die Antwort ist gar nicht so romantisch, wie viele vielleicht denken. Wir sind nicht losgezogen, weil Vanlife ein Trend ist oder weil Reisen einfacher wäre. Ganz im Gegenteil.

Irgendwann hat sich unser Leben in Deutschland einfach nicht mehr richtig angefühlt. Der finanzielle Druck, starre Strukturen und der Alltag als alleinerziehende Mutter haben mir zunehmend die Luft genommen. Schulische Zwänge, Erwartungen und ein System, das wenig Raum für individuelle Wege ließ, fühlten sich für uns immer weniger stimmig an. Ich habe funktioniert – aber nicht mehr gelebt.

Also sind wir gegangen.

Diese Entscheidung war keine spontane Idee. Sie war vermutlich die größte Herausforderung meines bisherigen Lebens. Alles, was ich kannte – Sicherheit, Gewohnheiten, Besitz und Struktur – hinter mir zu lassen, ohne genau zu wissen, wohin unser Weg führen würde, bedeutete einen gewaltigen inneren Schritt.

Reisen heißt für uns nicht einfach Ortswechsel. Es bedeutet, sich immer wieder den eigenen Ängsten zu stellen. Alten Stimmen im Kopf. Erziehungsprogrammen, die tief sitzen. Unterwegs lerne ich, wieder hinzuhören, zu fühlen und Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen zu treffen. Dieser Entwicklungsprozess ist oft anspruchsvoller als jede äußere Herausforderung.

Heute reisen wir mit unserem Gespann durch Europa, meist naturverbunden und ruhig. Wir stehen dort, wo es möglich ist, respektvoll gegenüber Mensch und Natur. Egal wo wir ankommen – wir verlassen Plätze sauberer, als wir sie vorgefunden haben. Müll einzusammeln gehört für uns selbstverständlich dazu. Freiheit bedeutet für uns auch Verantwortung.

Und Freiheit bedeutet ganz sicher keinen Urlaub.

Der Alltag unterwegs besteht aus Planung, Organisation und ständiger Verantwortung. Wasser organisieren, Strom managen, sichere Stellplätze finden, Routen abwägen, Reparaturen lösen und Entscheidungen treffen – jeden einzelnen Tag. Gerade als alleinerziehende Mutter steht Sicherheit immer an erster Stelle.

Dieses Jahr haben wir auch gelernt, dass man nicht überall willkommen ist. Mehrfach wurden wir weitergeschickt oder mussten Plätze verlassen. Situationen, die verunsichern können und die man in schönen Reisebildern selten sieht. In Osteuropa haben wir das zuvor ganz anders erlebt – ruhiger, offener, menschlicher. Hier begegnen uns neue Herausforderungen, an denen wir wachsen müssen.

Parallel arbeite ich daran, uns langfristig finanziell neu aufzustellen. Man kann nicht dauerhaft von Ersparnissen leben. Behördenwege werden komplizierter, Unterstützung wie das Kindergeld fällt weg oder wird blockiert. Auch das gehört zu unserer Realität und zu diesem Weg dazu.

Ein weiterer großer Teil unserer Reise ist Verantwortung im Alltag mit meiner Tochter. Lernen findet bei uns nicht nach Stundenplan statt, sondern im Leben selbst. Wir greifen Themen auf, wenn sie entstehen: Mathe im Alltag, Lesen und Schreiben verbessern, Sprache bewusst anwenden oder Englisch lernen, weil wir es unterwegs wirklich brauchen. Bildung wird lebendig, angepasst an Neugier und Entwicklung.

Und natürlich läuft nicht immer alles glatt. Wenn plötzlich der Kühlschrank ausfällt und ich nicht weiß, warum kein Strom mehr ankommt, steht man erstmal da. Dann heißt es Lösungen suchen, Menschen finden, Hilfe annehmen und lernen, dass man nicht alles allein können muss.

Gleichzeitig passiert etwas Schönes: Kreativität kehrt zurück. Lösungen entstehen unterwegs. Perspektiven verändern sich. Wanderungen, Naturerlebnisse und gemeinsame Entdeckungen geben uns immer wieder neue Kraft.

Es ist immens viel zu stemmen.
Und genau darin wachsen wir.

Auf meinem YouTube-Kanal teile ich nicht nur Orte oder Reiseeindrücke, sondern genau diesen Weg – die Herausforderungen, die Entwicklung, Zweifel, Lösungen und das echte Leben unterwegs.

Wenn ihr unseren Weg begleiten möchtet, freue ich mich sehr, wenn ihr vorbeischaut und uns folgt. Vielleicht inspiriert euch unsere Reise ein Stück. Vielleicht zeigt sie einfach, dass es manchmal notwendig ist, bekannte Wege zu verlassen, um wieder bei sich selbst anzukommen.

Herzlichsten Grüße

Eure Sabsi

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